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Patentante oder Patenonkel werden: Was die Rolle heute bedeutet

Die Frage kommt oft beiläufig. Beim Abendessen, am Telefon, manchmal schon vor der Geburt: „Möchtest Du Patentante werden?“ Meistens ist die Antwort schneller gegeben, als man darüber nachgedacht hat. Natürlich willst Du. Und dann, irgendwann auf dem Heimweg, kommt die zweite Frage, die Du Dir selbst stellst: Moment. Was genau habe ich da eigentlich zugesagt?

Gute Frage. Vor allem heute, wo längst nicht jede Patenschaft mit einer Taufe beginnt. Und wo es selbst bei einer Taufe Überraschungen geben kann: Wer keiner Kirche angehört, darf dort nicht offiziell Pate oder Patin werden. In der evangelischen Kirche geht es manchmal als Taufzeugin oder Taufzeuge, in der katholischen gar nicht. Das wissen die wenigsten, bis der Pfarrer es ihnen sagt.

Woher die Patenschaft kommt

Das Konzept der Patenschaft ist zunächst einmal ein zutiefst christlicher Gedanke. Bei der Taufe stehen Paten neben den Eltern und versprechen, das Kind auf seinem Weg im Glauben zu begleiten. Das Wort selbst geht auf das lateinische pater zurück: Gemeint war eine Art geistlicher Vater.

In den Kirchen gilt das bis heute, und genau daher kommt es für viele zu einer ersten Überraschung. Wer selbst keiner Kirche (oder einer nicht-christlichen Religionsgemeinschaft) angehört, darf bei einer kirchlichen Taufe gar nicht offiziell Pate oder Patin sein. Die Eltern haben Dich ausgesucht, die Gemeinde sagt: leider nein. Was dann noch möglich ist, hängt von der Konfession ab:

  • Evangelisch: In manchen (aber nicht allen!) Landeskirchen und Gemeinden darfst Du als "Taufzeugin" oder "Taufzeuge" dabei sein, neben mindestens einem evangelischen Paten. Das klingt ein wenig nach Verkehrsunfall, ist aber immerhin : Du stehst vorne mit und bezeugst, dass dieses Kind willkommen geheißen wird. Die Regeln unterscheiden sich von Landeskirche zu Landeskirche, also am besten früh im Pfarramt fragen.
  • Katholisch: Hier gibt es keinen Spielraum. Das Kirchenrecht gilt weltweit einheitlich: Pate kann nur sein, wer katholisch und gefirmt ist. Taufzeuge kann nur ein getaufter Christ einer anderen Konfession werden, etwa evangelisch oder orthodox, und auch nur zusätzlich zu einem katholischen Paten. Für Konfessionslose gibt es im Taufbuch schlicht keine Zeile. Einbinden lässt sich das trotzdem: Du kannst eine Fürbitte lesen oder die Taufkerze tragen, nur eben nicht auf dem Papier.

Fragen lohnt sich in jedem Fall, am besten bevor die Einladungskarten gedruckt sind.

Für das, was die Patenschaft im Leben des Kindes bedeutet, spielt der offizielle Titel ohnehin eine kleinere Rolle, als man denkt.

Die weltliche Patenschaft

Viele Familien lassen ihre Kinder heute nicht mehr taufen und vergeben den Titel trotzdem. Unter Freunden oder in der Familie, ohne Kirche und ohne Zeremonie, manchmal mit einem kleinen Fest, manchmal nur mit einer Frage am Küchentisch. Die Patenschaft ist so zu einer Art Ehrentitel geworden, ganz unabhängig davon, ob man gläubig ist oder nicht.

Dass sich diese weltliche Patenschaft immer mehr durchsetzt, hat wohl einen einfachen Grund: Die Idee dahinter ist einfach schön. Wer Dich zur Patin oder zum Paten macht, sagt damit: Dir vertrauen wir. Wenn uns etwas zustößt, wünschen wir uns, dass Du für unser Kind da bist. Es gibt nicht viele Gesten, die so sehr von Herzen kommen. Und die so viel Mut verlangen, denn dafür müssen Eltern sich Gedanken über den schlimmsten Fall machen.

Warum ausgerechnet Du?

Die Gründe, warum Eltern sich für eine Patin oder einen Paten entscheiden, sind so unterschiedlich wie die Familien selbst. Vielleicht bist Du die älteste Freundin, die schon bei den ersten Liebeskummer-Abenden dabei war. Der Bruder, auf den man sich verlassen kann. Die Person mit der meisten Geduld im ganzen Bekanntenkreis.

Vielleicht bist Du auch einfach die verrückte Katzenlady, bei der alles so anders und so unglaublich lustig ist. Oder der Onkel, bei dem es Pfannkuchen zum Abendessen gibt und niemand nach dem Zähneputzen fragt. Und ja, vielleicht haben die Eltern auch ein ganz kleines bisschen daran gedacht, dass Du ein gutes Gehalt hast. Was immer der Grund war: Sie haben Dich gefragt, nicht jemand anderen.

Gerade wenn Du selbst keine Kinder hast, ist das eine besondere Chance. Du bist nicht Elternteil, Du musst nicht erziehen, Du hast keine Regeln durchzusetzen, außer Deinen eigenen. Für ein Kind ist so ein Mensch Gold wert: eine erwachsene Person, die sich wirklich für es interessiert, aber nicht ständig sagt, dass jetzt Schluss mit Fernsehen ist. Und wenn Du selbst Kinder hast, bringst Du dafür etwas anderes mit: Du weißt, wie anstrengend und wie wunderbar die ersten Jahre sind, und kannst die Eltern ab und zu einfach mal entlasten.

Für den Ernstfall, und was eine Patenschaft nicht regelt

Im Kern steht bis heute die Verantwortung für den Ernstfall. Sollten die Eltern irgendwann, aus welchem Grund auch immer, nicht mehr vollständig für ihr Kind sorgen können, übernimmst Du Verantwortung und setzt Dich mit allen Kräften, die Dir zur Verfügung stehen, für sein Wohl ein. Das muss nicht heißen, dass das Kind dann bei Dir lebt. Es heißt, dass Du Dich bewusst entschieden hast, im Zweifel da zu sein.

Wichtig zu wissen: Rechtlich hat eine Patenschaft in Deutschland keine Wirkung, weder die kirchliche noch die weltliche. Pat:innen werden nicht automatisch Vormund, wenn den Eltern etwas zustößt. Wer möchte, dass im Ernstfall eine bestimmte Person für das Kind sorgt, sollte das ausdrücklich festhalten, etwa mit einer Sorgerechtsverfügung im Testament. Das Familiengericht orientiert sich dann an diesem Wunsch der Eltern, entscheidet aber immer im Sinne des Kindes. Für die genaue Gestaltung lohnt sich rechtlicher Rat.

Und das Schönste an dieser Verantwortung ist natürlich, wenn sie nie eingefordert wird.

Was eine Patenschaft im Alltag ausmacht

Wirklich geprüft wird eine Patenschaft nur in einer großen Krise. Im Alltag kann man leicht den Eindruck bekommen, es gehe vor allem darum, zu Weihnachten und zum Geburtstag ein Geschenk zu schicken. Daran ist nichts falsch, und Dein Patenkind wird dem vermutlich auch nicht widersprechen. Aber es lohnt sich, darüber hinaus zu überlegen, welche Rolle Du im Leben dieses neuen Menschen spielen möchtest. Denn im Grunde wurdest Du ja genau dazu bewusst ausgewählt und explizit eingeladen.

Das Schöne ist, wie frei Du dabei heute bist. Vielleicht wirst Du die Erwachsene, mit der man Dinge bespricht, die man den Eltern (noch) nicht erzählt. Der Onkel, mit dem es jedes Jahr einen gemeinsamen Ausflug gibt. Die Person, die zuhört, ohne gleich zu erziehen.

Manchmal ist das nicht so einfach. Du hast selbst Kinder, wohnst weit weg oder hast schlicht wenig Zeit. Das ist alles in Ordnung. Eine Patenschaft misst sich nicht an der Zahl der Besuche, sondern daran, dass Du Dir Deiner Rolle bewusst bist und im Zweifelsfall bereit bist, Verantwortung zu übernehmen. Und im besten Fall spürt auch Dein Patenkind: Da ist jemand, der sich für mich interessiert.

Die Welt Deines Patenkinds entdecken

Ein schöner Weg, dieses Interesse zu zeigen: die Welt Deines Patenkinds kennenlernen, und zwar so, wie es sie sieht.

Kinder nehmen ihre Umgebung ganz anders wahr als wir. Auf ihrer inneren Landkarte ist nicht die Hauptstraße eingezeichnet, sondern der Hund hinterm Gartenzaun der Nachbarin, der immer so laut bellt. Der Briefkasten, in den es neulich den Brief für Oma werfen durfte. Das Haus, bei dem einmal die Feuerwehr kam. Die Bushaltestelle, von der aus der Bus zum besten Freund fährt. Die Glascontainer, an denen man hochgehoben wird, um das Klirren zu hören. Und natürlich der Spielplatz, die Eisdiele, die Bäckerei mit den tollen Brezeln, die Stelle, wo im Sommer das Karussell stand. Vielleicht auch der Friedhof, auf dem der Uropa liegt.

Nimm Dir Zeit für gemeinsame Spaziergänge durch die Nachbarschaft und schau genau hin: Was fällt Deinem Patenkind auf? Worauf reagiert es, wo bleibt es stehen, was erzählt es? Bei ganz Kleinen bist Du selbst die Beobachterin. Mit Älteren kannst Du schon richtig ins Gespräch kommen und fragen, was ihnen wichtig ist. Rechne damit, dass Du dabei mehr über Gullydeckel lernst, als Dir lieb ist. So lernst Du nach und nach die Lebenswelt dieses kleinen Menschen kennen. Und Dein Patenkind merkt, dass seine Welt jemandem wichtig ist.

Für den Anfang hilft unsere Kiez-Entdecker-Liste zum Ausdrucken, mit Fragen für die ersten gemeinsamen Spaziergänge.

Ein Geschenk, das zur Rolle passt

Wenn Du die Welt Deines Patenkinds erst einmal entdeckt hast, liegt ein Geschenk nahe, das genau diese Welt festhält. Mit einem kinderkiez-Spielteppich holt Ihr die eigene Nachbarschaft ins Kinderzimmer: echte Straßen rund um das Zuhause, und darauf genau die Orte, die zählen, vom bellenden Hund bis zur Brezel-Bäckerei.

Das Schönste daran ist das gemeinsame Gestalten. Deshalb gibt es den Paten-Gutschein, der mindestens sechs Jahre gilt. Du kannst ihn zur Geburt, zur Taufe oder später verschenken, Euch Zeit lassen, den Kiez zu erkunden, und den Spielteppich dann zusammen mit Deinem Patenkind gestalten. Oder Du überlässt das der Familie.

Zum Geschenk fürs Patenkind

Häufige Fragen

Was macht eine Patentante oder ein Patenonkel?
Ursprünglich begleiten Pat:innen ein Kind auf seinem Weg im christlichen Glauben. Heute ist die Patenschaft oft weltlich: Pat:innen sind Vertrauenspersonen außerhalb der Eltern und erklären sich bereit, im Ernstfall Verantwortung für das Wohl des Kindes zu übernehmen. Wie die Rolle im Alltag aussieht, gestaltet jede und jeder selbst.

Kann ich Pate werden, wenn ich nicht in der Kirche bin?
Bei einer kirchlichen Taufe nicht offiziell. In der evangelischen Kirche können Konfessionslose in manchen Landeskirchen als Taufzeugin oder Taufzeuge mitwirken. In der katholischen Kirche ist das ausgeschlossen: Taufzeuge kann dort nur ein getaufter Christ einer anderen Konfession sein. Eine weltliche Patenschaft ohne Taufe ist dagegen jederzeit möglich, ganz ohne Voraussetzungen.

Wird der Pate oder die Patin automatisch Vormund, wenn den Eltern etwas passiert?
Nein. Eine Patenschaft hat in Deutschland keine rechtliche Wirkung. Wenn Eltern möchten, dass eine bestimmte Person im Ernstfall für ihr Kind sorgt, sollten sie das ausdrücklich festhalten, zum Beispiel per Sorgerechtsverfügung im Testament.

Wie viele Pat:innen kann ein Kind haben?
Bei einer weltlichen Patenschaft entscheiden das die Eltern. Bei einer kirchlichen Taufe gelten die Regeln der jeweiligen Kirche und Gemeinde.

Was schenkt man als Patentante oder Patenonkel?
Am schönsten sind Geschenke, die zeigen, dass Du Dich mit dem Kind beschäftigt hast. Gemeinsame Zeit gehört dazu, genauso wie ein Geschenk mit persönlichem Bezug, zum Beispiel die eigene Nachbarschaft als Spielteppich.